Jugendstudie 2021 belegt bei jungen Menschen weiterhin gravierende Wissenslücken in Finanzfragen

Die rasant steigende Inflation ist aktuell in aller Munde, kaum eine Nachrichtensendung kommt dieser Tage ohne eine Erwähnung der spürbaren Preissprünge in so gut wie allen Lebensbereichen aus. Wie schlecht es dabei um das ökonomische Wissen der deutschen Jugend bestellt ist, zeigt schon das Unwissen um einen elementaren Maßstab für den Anstieg der Verbraucherpreise: In der jüngsten Jugendstudie des Bankenverbandes waren 44 Prozent der 14- bis 24-Jährigen mit der Bitte um eine Erklärung des Begriffes „Inflationsrate“ komplett überfragt, lediglich 14 Prozent konnten die ungefähre Höhe der Inflationsrate benennen. Ein Ergebnis, das durchaus unseren langjährigen Erfahrungen in Sachen Finanzbildung entspricht.


Aufgabe der EZB unbekannt

Das Unwissen um die Teuerungsrate war allerdings nur eine von zahlreichen Wissenslücken, die junge Menschen im Rahmen der vom Bundesverband deutscher Banken (BdB) beauftragten Kantar-Umfrage eingestanden. So war beispielsweise der Aufgabenbereich der europäischen Zentralbank für zwei Drittel (68 Prozent) der Befragten ein Buch mit sieben Siegeln, unter den Schülern beantworteten sogar ganze 83 Prozent die Frage nach der Rolle der EZB falsch oder wussten überhaupt nichts zu der Zuständigkeit der Zentralbank zu sagen.

Auch die Bedeutung des Begriffs „Investmentfonds“ war unter den 14- bis 24-Jährigen größtenteils unbekannt. Zwar gaben 41 Prozent der Befragten an, zu wissen, um was es sich bei dem Finanzprodukt handelt, doch lediglich 28 Prozent lagen bei ihrem Erklärungsversuch tatsächlich richtig. Auch in Sachen Aktien stimmen die Erkenntnisse der Jugendstudie zur Wirtschafts- und Finanzbildung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht unbedingt optimistisch. Zwar scheint das Wissensniveau rund um das Thema Aktien auf den ersten Blick etwas höher, jedoch hat sich das Aktienverständnis gegenüber früheren Studien deutlich verschlechtert: Während im Jahr 2018 noch 79 der Befragten erklären konnten, was Aktien sind, waren bei der diesjährigen Studie nur noch 69 Prozent der jungen Menschen dazu in der Lage. Aus unserer Sicht ein durchaus beunruhigender Trend.


Wir sehen die Politik in der Pflicht

Auf der Suche nach der Wurzel des Übels muss sich niemand auf eine langwierige Suche machen – die Antworten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen verorten den Ursprung des fehlenden Finanzwissens offensichtlich in der Schulbildung: Mit 68 Prozent haben gut zwei Drittel der Befragten „so gut wie nichts“ oder „nicht so viel“ an der eigenen Schule über Wirtschaft und Finanzen gelernt.

Diese fehlende Erfüllung des Bildungsauftrages in Sachen Finanzen wird von den jungen Deutschen durchaus angeprangert: 76 Prozent wünschen sich, dass mehr Informationen über wirtschaftliche Zusammenhänge in der Schule vermittelt werden, 77 Prozent sprechen sich für die Einführung eines eigenen Unterrichtsfachs „Wirtschaft“ aus.

Um das mangelnde Finanzwissen in Deutschland an der Wurzel anzugehen, sehen auch wir die Bildungspolitik in der Pflicht. Denn die Jugendstudie hat auch gezeigt, wie selten das Thema Wirtschaft an der Schule thematisiert wird: Lediglich bei fünf Prozent der Befragten war ein derartiges Schulfach bereits auf dem Stundenplan.

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